Allgemeine Informationen

Einleitung

Als Hochschule vermittelt die PH Luzern ihren Studierenden die Grundprinzipien wissenschaftsbasierten Denkens und Arbeitens. Dazu gehören auch der Respekt vor fremdem geistigen Eigentum und das Einhalten der fundamentalen Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens.
Aber auch die Pädagogische Hochschule Luzern ist keine Insel im Datenmeer. Sie sieht sich seit längerem konfrontiert mit Plagiaten in Bachelor- und Masterarbeiten sowie in schriftlichen Leistungsnachweisen.
Natürlich wollen wir Studierende nicht unter den Generalverdacht des Plagiierens stellen. Trotzdem gibt es Situationen beim Verfassen von schriftlichen Arbeiten, in denen Studierende (zu) schnell in Versuchung kommen, die eine oder andere Passage ohne Quellenverweis in die eigene Arbeit einfliessen zu lassen.
Seit Beginn des Studienjahres 2016/17 setzt deshalb die PH Luzern im Auftrag der Hochschulleitung – begleitend zu den übrigen Plagiats-Präventionsmassnahmen – eine Plagiats-Software ein. Zum Einsatz kommt die Software Turnitin in Form eines Moodle-Plugins. Damit werden alle Bachelor- und Masterarbeiten sowie ausgewählte schriftliche Leistungsnachweise auf Plagiate hin überprüft. Werden Plagiate aufgedeckt, gilt dies als unredliches Verhalten. In der Folge kommen dabei wie bis anhin die entsprechenden Disziplinarmassnahmen zur Anwendung, wie sie im PH-Ausbildungsreglement Art. 39 und Art. 40, in den Ausführungsbestimmungen zum PH-Ausbildungsreglement Art. 20 sowie in den verbindlichen Hinweisen zum Bestehen von Modulen und Prüfungen festgehalten sind.

Die Plagiatsdefinition an der PH Luzern

Was ist ein Plagiat?

Basis für die an der PH Luzern verwendeten Definitionen bildet einerseits die Definiton gemäss dem utb-Studienbuch „Empirisches wissenschaftliches Arbeiten“ (Aeppli, Gasser, Gutzwiller, Tettenborn, 2014, S. 57), andererseits jene von Teddi Fishman, Direktorin des International Center for Academic Integrity :

Ein Plagiat liegt vor, wenn jemand Wörter, Ideen oder Arbeitsergebnisse verwendet,

  1. die einer identifizierbaren Person oder Quelle zugeordnet werden können,
  2. ohne die Übernahme sowie die Quelle in geeigneter Form auszuweisen,
  3. in einem Zusammenhang, in dem zu erwarten ist, dass eine originäre Autorschaft vor-liegt,
  4. um einen Nutzen, eine Note oder einen sonstigen Vorteil zu erlangen, der nicht notwendigerweise ein finanzieller sein muss. (Fishmann, 2009)

Dementsprechend gilt bei schriftlichen Arbeiten an der PH Luzern jegliche Übernahme einer fremden Geistesleistung ohne Angabe der Quelle als Plagiat. Dazu gehören auch Grafiken, Bilder, verwendete Daten etc.
Wer plagiiert, verstösst übrigens nicht nur gegen die Regeln des sorgfältigen wissenschaftlichen Arbeitens, sondern auch gegen das Urheberrecht. Dies kann zivil- und strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

Formen von Plagiaten

  • Vollplagiat: Der Verfasser / die Verfasserin reicht eine schriftliche Arbeit ein, in der um-fassende Passagen (mehrseitige Abschnitte, ganze Kapitel) 1:1 aus einem oder mehreren fremden Werken kopiert werden und deklariert dies als eigenständige Arbeit. Zudem fehlen jegliche Hinweise auf die Verwendung der fremden Werke.
  • Komplettplagiat: Sonderform des Vollplagiats – das fremde Werk wird gänzlich kopiert. Nur die direkten Bezüge zum Verfasser / zur Verfasserin, der Titel etc. werden angepasst.
  • Teilplagiat: Der Verfasser / die Verfasserin baut einzelne oder mehrere Textteile aus fremden Werken in die eigene schriftliche Arbeit ein, ohne dass auf die Quelle verwiesen wird.
  • Selbstplagiat: Der Verfasser / die Verfasserin reicht eine früher bereits einmal verwende-te Arbeit als Ganzes oder in Teilen ein und deklariert diese als neu geschaffenes Werk.
  • Ghostwriting: Der Verfasser / die Verfasserin lässt Teile einer Arbeit bzw. die ganze Arbeit von beauftragten Autor(inn)en verfassen und reicht die Arbeit als selbst verfasstes Werk ein.
  • Übersetzungsplagiat: Der Verfasser / die Verfasserin verwendet Textteile oder Texte aus fremdsprachigen Werken, übersetzt diese und deklariert den Text als selbst verfasst.
  • Paraphrasierplagiat: Der Verfasser / die Verfasserin übernimmt Textabschnitte aus fremden Arbeiten und ändert diese sprachlich leicht ab, ohne die Quellen kenntlich zu machen oder zu nennen.
  • Strukturplagiat: Der Verfasser / die Verfasserin übernimmt in wesentlichen Teilen der Arbeit (z.B. in einzelnen Kapiteln) die Abfolge von Argumenten oder Gedanken aus einem fremden Werk, ohne die Quelle kenntlich zu machen (oft in Kombination mit Paraphrasierplagiat).

Die drei Plagiatsstufen

Plagiate sind klar abzugrenzen von ungenauem bzw. fehlerhaftem wissenschaftlichem Arbeiten. Formale Fehler beim Zitieren und Bibliografieren gelten nicht als Plagiat. Diese Fehler werden über die Kriterienraster zur Beurteilung einer schriftlichen Arbeit erfasst und können zu einer tieferen Bewertung oder zum Nichtbestehen der Arbeit führen.

Liegt hingegen gemäss der Kapitel 2.1 und 2.2 ein Plagiat vor, muss der Schweregrad des Plagiats beurteilt werden. Dafür werden folgende Kriterien mit einbezogen:

  • quantitative Aspekte (zentrales Kriterium)
  • die Art des Plagiats
  • qualitative Aspekte
  • der Fortschritt in der Studiendauer
  • vorausgegangene disziplinarische Massnahmen.

An der PH Luzern werden drei Plagiats-Stufen mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Beurteilung und eventuelle disziplinarische Massnahmen unterschieden. Die unter 2.2 aufgezählten Plagiatsformen können in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Je nach Schweregrad werden sie einer der drei Plagiatsstufen zugeordnet.
Im Fall eines Plagiatsverdachts kommt der Prozess im QM-Pilot Plagiat – Verdacht mit den entsprechenden Unterprozessen zum Zug.

Die Plagiatssoftware Turnitin

Turnitin – Die Software

Im Sommer 2016 wurde an der PH Luzern die Plagiatsdetektions-Software Turnitin lizenziert. Turnitin ist sowohl weltweit als auch an Schweizer Hochschulen die am weitesten verbreitete Plagiats-Software. Für Turnitin sprechen:

  • Die Möglichkeit, Turnitin direkt als Plugin in Moodle einzubinden (kein extra Login)
  • Die relativ intuitive Bedienung und die umfangreichen Funktionalitäten
  • Die Nutzung von Turnitin durch andere Schweizer PHs; dadurch werden die Arbeiten an der PH Luzern mit den Arbeiten anderer PHs abgeglichen.

Turnitin – Die technische Einbindung

Turnitin wird mittels eines Plugins („Aktivität“) direkt in die jeweiligen Kurse in Moodle integriert. Wird die Aktivität angewählt, verbindet sich Moodle mit dem Turnitin-Server; damit stehen in Moodle alle Turnitin-Funktionalitäten 1:1 zur Verfügung. Zur Nutzung der Turnitin-Aktivitäten müssen sich Dozierenden und Studierenden vorgängig auf Moodle einloggen.

Was Turnitin alles (nicht) kann

Turnitin kann nicht einfach auf einen Klick Plagiate anzeigen!
Es ist technisch schlicht nicht möglich, dass eine Software den Unterschied zwischen einem Plagiat und einer richtig zitierten Textstelle erkennt. Turnitin kann lediglich einen hochgeladenen Text mit einer riesigen Datenbank abgleichen, um Textstellen zu detektieren, die bereits in einem der in der Datenbank gespeicherten Texte enthalten sind. Zum Abgleich stehen bereit:

  • 45 Mia. WWW-Seiten (auch viele geschützte Seiten)
  • 130 Mio. e-Books und e-Journals
  • 50 Mio. bereits hochgeladene studentische Arbeiten

Diese Datenbank wird laufend aktualisiert und ergänzt; auch durch die Arbeiten, die an der PH Luzern hochgeladen werden.

Achtung: Texte, die nicht in der Datenbank enthalten sind – insbesondere solche, die nur als Print vorliegen wie Bücher, die nicht als e-Book erhältlich sind – kann Turnitin nicht in den Abgleich einbeziehen!

Beim sogenannten Originality-Check markiert Turnitin alle gefundenen übereinstimmenden Textstellen farbig und nennt die Textquelle. Mit einem Klick lassen sich die übereinstimmenden Textstellen aufrufen und vergleichen.
Die Dozierenden müssen anschliessend selber entscheiden, …

  • ob die markierte Textstelle richtig bzw. korrekt zitiert wurde: normales Zitat.
  • ob die Quellenangabe unkorrekt ist oder gänzlich fehlt: mögliches Plagiat.

Es sind somit alleine die Betreuer/-innen einer studentischen Arbeit, die darüber entscheiden, ob ein Plagiat vorliegt oder nicht. Turnitin nimmt einem diese Entscheidung nicht ab!

Die bekannte Plagiatsspezialistin Debora Weber-Wulff sagt richtigerweise zum Einsatz von Plagiatssoftware:

Plagiatssoftware […] ist daher […] ausschliesslich als Werkzeug zu betrachten, das keinesfalls von gründlicher Lektüre und eigenem Urteil als Ergebnis einer präzisen Analyse befreit. (Lahusen & Markschies, 2015, S. 14f)

Der Plagiats-Check

Der Plagiats-Check im Überblick

Auch bisher gehörte es zu den Aufgaben der Dozierenden, im Rahmen des Beurteilungsprozesses von schriftlichen Arbeiten diese auf Plagiate hin zu überprüfen. Gemäss Entscheid der HSL und der ALK sollen ab dem Herbstsemester 2016 alle BA- und MA-Arbeiten und bestimmte Leistungsnachweise mittels der Plagiats-Software Turnitin auf Plagiate hin überprüft werden. Im Überblick verläuft ein Plagiats-Check im Rahmen des üblichen Beurteilungsprozesses folgendermassen:

Ablauf eines Plagiats-Checks bei BA-/MA-Arbeiten

Plagiatscheck BA.jpg

Die Rolle der Studierenden
Die Studierenden müssen sich vor der Abgabe der BA- bzw. MA-Arbeit jeweils auf einen Abgabekurs in Evento anmelden. Aufgrund dieser Anmeldungen werden in Moodle pro Fach und Semester Abgabekurse erstellt. Innerhalb der geltenden Abgabefrist müssen die Studierenden ihre digitale BA-/MA-Arbeit (PDF / eine Datei / max. 40 MB) vorgängig zur Abgabe der Printfassung in den Moodle-Abgabekurs hochladen. Unmittelbar nach dem Upload können die Studierenden einen digitalen Beleg zum erfolgreichen Upload ausdrucken. Diesen Beleg geben sie anschliessend zusammen mit den Printfassungen ihrer Arbeit und der Eigenständigkeitserklärung auf der Kanzlei bzw. dem Sekretariat MA SHP ab.

Die Rolle der Betreuenden
Als Betreuungsperson einer BA- oder MA-Arbeit sind Sie verpflichtet, die bei Ihnen eingereich-ten Arbeiten mittels Moodle/Turnitin auf Plagiate hin zu überprüfen. Die Fachstelle Eduweb der PH Luzern unterstützt Sie dabei, indem sie …

  • pro Fachbereich und Studiensemester die entsprechenden Moodle-Kurse bereitstellen
  • die Studierenden und Betreuungspersonen einschreiben
  • das Turnitin-Plugin für die digitale Abgabe der BA-/MA-Arbeit vorbereiten
  • Anleitungen produzieren
  • Schulungen zum Umgang mit Turnitin anbieten
  • den Support sicherstellen.

Sobald die Abgabephase für die Studierenden beginnt, finden Sie den entsprechenden Abgabekurs für die BA-/MA-Arbeit auf Ihrer Moodle-Startseite im Kursverzeichnis (z.B. «Abgabekurs….». Stellen Sie bitte sicher, dass «Ihre» Studierenden die entsprechenden Vorgaben zur digitalen Abgabe der BA-/MA-Arbeit kennen.
Nachdem die digitale Fassung der von Ihnen betreuten Arbeit vom/von der Studierenden in Moodle hochgeladen wurde, können Sie gemäss Anleitung den Plagiats-Check vornehmen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Plagiatscheck gleich zu Beginn Ihres Beurteilungs- und Bewertungsprozesses vorzunehmen. Falls Sie sich im Umgang mit Turnitin noch unsicher fühlen bzw. die vorliegende Anleitung nicht ausreicht, empfehlen wir Ihnen, einen Beratungstermin mit dem Eduweb abzumachen.
Unsere Erfahrungswerte zeigen, dass für einen ersten Plagiats-Check einer BA-/MA-Arbeit ca. 10‘–15‘ aufgewendet werden müssen. Bei ca. 10% der Arbeiten braucht es weitere Abklärungen.
Als Betreuungsperson von BA-/MA-Arbeiten gehörte es schon bis anhin zu Ihren Pflichten, die Arbeit auf Plagiate hin zu überprüfen. Mit dem Turnitin-Plugin auf Moodle steht Ihnen nun neu ein technisches Hilfsmittel zur Verfügung. Ob ein Plagiat vorliegt oder nicht müssen in erster Linie aber weiterhin Sie als Betreuungsperson entscheiden. Kommen Sie bei einer von Ihnen betreuten Arbeit zum Fazit, dass ein begründeter Plagiatsverdacht gemäss der Definition der PH Luzern besteht, sind Sie verantwortlich dafür, dass der Prozess im QM-Pilot BA-/MA-Arbeiten: Plagiat – Verdacht angestossen wird.

Ablauf eines Plagiats-Checks bei Leistungsnachweisen

Plagiatscheck LN.jpg

Die Rolle der Studierenden
Die Studierenden melden sich vor der digitalen Abgabe von Leistungsnachweisen zuerst auf Moodle an und wählen den entsprechenden Moodle-Kurs gemäss Angaben der/des Dozierenden aus. Es ist Aufgabe der Dozierenden, alle Studierenden über die Formalitäten der Abgabe von Leistungsnachweisen (Termine, Umfang der Arbeit etc.) zu informieren. Die Studierenden müssen innerhalb der gesetzten Abgabefrist ihren Leistungsnachweis gemäss den Vorgaben der/des Dozierenden im entsprechenden Moodle-Kurs hochladen (PDF, eine oder mehrere Datei/en, je max. 40 MB). Unmittelbar nach dem Upload können die Studierenden bei Bedarf den digitalen Beleg als Bestätigung für den erfolgreichen Upload ausdrucken. Es bleibt den Dozierenden vorbehalten, ob sie eine Printversion dieses Upload-Belegs einfordern möchten oder nicht.

Die Rolle der Dozierenden
Die Modulverantwortlichen legen in Absprache mit der Fachleitung fest, welche schriftlichen Leistungsnachweise über Moodle/Turnitin auf Plagiate hin überprüft werden müssen.
Rund 30 Minuten nach dem erfolgreichen Upload einer Arbeit durch eine/n Student/in liegt dem/der Dozierenden die Rückmelung von Turnitin vor. Ab diesem Zeitpunkt haben die Dozierenden über den Button „Originality“ Zugriff auf die Arbeit mit allen dedektierten und entsprechend markierten Stellen. Nun kann der Plagiats-Check gemäss Anleitung vorgenommen werden. Wir empfehlen den Plagiatscheck gleich zu Beginn des Beurteilungs- und Bewertungsprozesses vorzunehmen.
Als Dozent/-in gehörte es schon bis anhin zu Ihren Pflichten, Leistungsnachweise auf Plagiate hin zu überprüfen. Mit dem Turnitin-Plugin auf Moodle steht Ihnen nun neu ein technisches Hilfsmittel zur Verfügung. Ob ein Plagiat vorliegt oder nicht müssen in erster Linie aber weiterhin Sie als Dozent/-in entscheiden.
Kommen Sie bei einer von Ihnen betreuten Arbeit zum Fazit, dass ein begründeter Plagiatsverdacht gemäss der Definition der PH Luzern besteht, sind Sie verantwortlich dafür, dass der Prozess im QM-Pilot Plagiat – Verdacht angestossen wird.

Support

Sie möchten diese Anleitung drucken? Klicken Sie zu unterst auf dieser Seite bei Drucken/Exportieren auf als PDF herunterladen und drucken Sie die Anleitung aus.

Falls Sie sich im Umgang mit Turnitin noch unsicher fühlen bzw. die vorliegende Anleitung nicht ausreicht, empfehlen wir Ihnen, einen Beratungstermin mit dem Eduweb abzumachen.

Bei Fragen wenden Sie sich je nach Anliegen bitte an:

Kanzlei Ausbildung, Prüfungssekretariat
Pfistergasse 20, Luzern / T 041 203 01 11 / kanzlei@phlu.ch

Studiengangssekretariat MA SHP
Sentimatt 1, Luzern / T 041 203 02 75 / hp@phlu.ch

Fachstelle Eduweb – Support Moodle/Turnitin
Sentimatt 1, Luzern / T 041 203 02 03 / support@phlu.ch

Administration Studienbereich Alltag & Wissenschaft
Töpferstrasse 10, Luzern / T 041 203 04 25 / aw@phlu.ch